Am 17. September 2026 fand im historischen Jesuitenkeller am Dr.-Ignaz-Seipel-Platz in Wien eine bemerkenswerte Kulturveranstaltung statt: die feierliche Übergabe dreier bedeutender Filipiniana-Objekte aus dem Besitz der Blumentritt-Familie an das National Museum of the Philippines. Ich durfte dieser Zeremonie persönlich beiwohnen – und erlebte einen Abend, der philippinische Geschichte, österreichische Familienüberlieferung und diplomatische Verbundenheit eindrucksvoll miteinander verband.
Ein Festakt im Zeichen der Freundschaft zwischen Österreich und den Philippinen

H.E. Evangelina Lourdes A. Bernas, Pickert
Die Botschafterin der Philippinen in Österreich, H.E. Evangelina Lourdes A. Bernas, eröffnete die Veranstaltung mit herzlichen Worten. Sie dankte der Familie Blumentritt für die großzügige Überlassung der Objekte und würdigte die Rolle der Österreichisch-Philippinischen Gesellschaft, deren Mitglieder zahlreich anwesend waren. In ihrer Rede erinnerte sie daran, dass die bilateralen Beziehungen zwischen Österreich und den Philippinen auf eine lange Geschichte zurückblicken – eine Geschichte, die älter ist als die formale diplomatische Verbindung beider Staaten.
Drei Objekte, drei Geschichten – und ein Jahrhundert des Wartens
Der Generaldirektor des Nationalmuseums, Mr. Jeremy Barns, sprach von einem „moment of admiration, appreciation and gratitude“ gegenüber Elke Pickert, der Urenkelin von Dolores Blumentritt. Sie hatte die Objekte über Jahrzehnte im Familienbesitz bewahrt, bevor sie nun ihren Weg zurück in die philippinische Nationalgeschichte antreten.

Der stellvertretende Museumsdirektor Mr. Arvin Villalon stellte die drei Ensembles (genau genommen: bestehend aus vier Objekten) einzeln vor und nannte sie „three extraordinary objects“ – jedes ein Fenster in die Zeit des späten 19. Jahrhunderts:
- Ein unveröffentlichtes dreiseitiges Schreiben José Rizals, verfasst 1896 in Dapitan, in Spanisch und Deutsch, an seinen Freund Ferdinand Blumentritt. Villalon hob die besondere Beziehung zwischen Rizal und der Familie hervor – und erzählte von Rizals humorvollen Zeilen an Blumentritts Tochter Dolores, genannt Loleng. Die philippinische Tradition der liebevollen Namensverkürzungen war ihm Anlass für eine kleine kulturhistorische Randbemerkung.
- Zwei Aquarellporträts von Juan Luna (1899). Die Darstellungen der 25-jährigen Dolores Blumentritt entstanden während eines Besuchs Lunas und Felipe Agoncillos in Leitmeritz. Villalon bezeichnete sie als „small artistic treasures“, die viel über das Netzwerk philippinischer Intellektueller jener Zeit verraten.
- Ein japanischer Seidenschirm mit eingestickter philippinischer Flagge Ein Hochzeitsgeschenk des Diplomaten Mariano Ponce, gefertigt aus habutai-Seide in Kobe. Villalon betonte, dass der Schirm nach 126 Jahren noch immer funktionstüchtig sei – ein Symbol für die Beständigkeit philippinischer Werte wie utang na loob, die tiefe Dankbarkeit gegenüber Wohltätern.
Die Stimme der Familie Blumentritt
Elke Pickert, die Urenkelin von Dolores, sprach von einem „special moment of giving the objects of the family to the Museum in the Philippines“. Sie würdigte den Ethnologen Johann Stockinger, der die Objekte 2017 im Haus der Familie in Kufstein entdeckt hatte – zunächst die Aquarelle an der Wand, später den Rizal-Brief in einer Kiste alter Dokumente.
Zum Abschluss überreichte sie der Botschafterin ein Geschenk aus Kufstein – ein symbolischer Akt der Verbundenheit zwischen den Familien und den beiden Ländern.
Ein Blick in die Zukunft
Der Vorsitzende des Board of Trustees des Nationalmuseums, Mr. Andoni Aboitiz, hob die Offenheit und Weltoffenheit der philippinischen Kultur hervor. Die drei Objekte sollen im kommenden Jahr in einer neu gestalteten Galerie des Nationalmuseums in Manila präsentiert werden – als Teil eines größeren Projekts, das die Geschichte der philippinischen Reformbewegung und ihrer europäischen Netzwerke sichtbar machen soll.
Ein Abend der Begegnungen

Nach den Reden hatten die Gäste Gelegenheit, die Objekte aus nächster Nähe zu betrachten. Die Atmosphäre war geprägt von Neugier, Respekt und einem spürbaren Bewusstsein für die historische Bedeutung des Moments. Bei philippinischen refreshments – darunter Pancit – und Getränken ergaben sich zahlreiche Gespräche zwischen Diplomaten, Wissenschaftlern, Kulturinteressierten und Mitgliedern der philippinischen Community in Wien.
Ein persönliches Fazit
Die Übergabe dieser drei außergewöhnlichen Objekte war weit mehr als ein musealer Akt. Sie war ein lebendiges Zeugnis einer Freundschaft, die José Rizal und Ferdinand Blumentritt vor über 130 Jahren begründet haben – und die bis heute fortwirkt.
Dass diese Zeugnisse nun ihren Weg zurück nach Manila antreten, ist ein bedeutender Moment für die philippinische Kulturgeschichte. Und es ist ein schönes Zeichen dafür, wie familiäre Erinnerung, wissenschaftliche Neugier und diplomatische Zusammenarbeit gemeinsam Geschichte bewahren können. (Siegfried Höfinger)
Siehe auch die philippinischen Presseberichte.
