Mittwoch, 18. März 2026, 17 Uhr, freier Eintritt!
begrenzte Teilnahme: Anmeldung bis 16.3. unter anmeldung@alte-schmiede.at
Veranstalter: Literarisches Quartier, Alte Schmiede
Schönlaterngasse 9, 1010 Wien
http://www.alte-schmiede.at/

Am 6. März 2026 lud die Alte Schmiede im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe DICHTER LIEST DICHTER zu einer besonderen Lesung ein: Der Schriftsteller Ilija Trojanow sprach über den Roman Noli Me Tángere des philippinischen Nationalhelden José Rizal.
Vor einem aufmerksam lauschenden Publikum schilderte Trojanow zunächst, wie er eher zufällig auf dieses Werk gestoßen war. Der rätselhafte Titel hatte seine Neugier geweckt und ihn dazu gebracht, den Roman zur Hand zu nehmen – eine Begegnung, die sich bald als literarische Entdeckung von großer Tragweite erwies. Seitdem begleitet ihn Noli me tangere als eine Lektüre, zu der er immer wieder mit wachsender Faszination zurückkehrt.
Im Laufe des Abends verband Trojanow persönliche Leseerfahrungen mit literarischen und historischen Einordnungen. Ausgehend von seiner langjährigen Beschäftigung mit antikolonialer Literatur aus verschiedenen Teilen der Welt gelang es ihm, die besondere Bedeutung von Rizals Roman eindrucksvoll herauszuarbeiten. Er zeigte, wie das Werk nicht nur ein literarisches Dokument seiner Zeit ist, sondern zugleich ein politischer Text von großer Sprengkraft: eine scharfsinnige Analyse kolonialer Machtverhältnisse und ein leidenschaftlicher Appell an Würde, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Erneuerung.

So wurde die Lesung zu mehr als einer bloßen Vorstellung eines Klassikers. Sie entwickelte sich zu einer engagierten Annäherung an ein Werk, das weit über seinen historischen Entstehungskontext hinausweist und bis heute Fragen nach Gerechtigkeit, Freiheit und kultureller Selbstbehauptung aufwirft. Trojanow verstand es, diese Aktualität lebendig werden zu lassen und dem Publikum die anhaltende Strahlkraft von Rizals Roman eindrucksvoll vor Augen zu führen.
Ilija Trojanow, *1965, Romancier, Verfasser politischer Sachbücher, Übersetzer. Zuletzt u.a.: Tausend und ein Morgen. Roman (2023). https://trojanow.de/
Am Mittwoch, den 18. März um 17 Uhr wird dazu die Autorin Lydia Mischkulnig in der Alten Schmiede einen Lese- und Gesprächskreis zu „Noli me tangere“ leiten.
Lydia Mischkulnig, *1963; Prosa, Essays; Lehrbeauftragte; zuletzt u.a.: Beau Rivage: eine Rückkehr (2025).
https://de.wikipedia.org/wiki/Lydia_Mischkulnig
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In diesem Zusammenhang möchten wir auf eine weitere Neuerscheinung über José Rizal verweisen:
José Rizal, the Philippines, and Greco-Roman Antiquity
By Andreas T. Zanker
ISBN 9781032737935
Published October 15, 2025 by Routledge, London
This volume is the first extended investigation of the classicism of José Rizal (1861-1896), the de facto national hero of the Philippines, and explores how Greco-Roman antiquity was harnessed by Rizal and other Philippine artists and thinkers at the end of the Spanish colonial period.
Rizal lived at a crucial juncture in his nation’s history, and Zanker argues that Rizal’s writing and thought represents a rich and evolving example of late-colonial classical reception. The volume illustrates how the forms of knowledge associated with Greco-Roman antiquity were put to creative and powerful new tasks in the attempts of Rizal and his contemporaries to redefine the relationship between Spain and its most distant colony. It not only explores the presence of Greco-Roman antiquity in Rizal’s novels, but also his lesser-known works in a roughly chronological order. Besides covering the entirety of Rizal’s surviving works, Zanker considers the role of antiquity in the paintings of Juan Luna and in Rizal’s parsing of his friendship with his Austrian collaborator, Ferdinand Blumentritt.
José Rizal, the Philippines, and Greco-Roman Antiquity is of interest to students and scholars of Classics, particularly Classical Reception, and the colonial-era Philippines, as well as Latin American Studies, Southeast Asian Studies, and Postcolonial Studies more broadly.
Siehe: www.routledge.com
